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Harder Auswanderer nach Amerika

 
Auswanderer

Harder Auswanderer nach Amerika:
Zwischen 1850 und 1938 sind aus dem Gebiet des heutigen österreichischen Bundeslandes Vorarlberg etwa 5.000 Männer, Frauen und Kinder in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert. Diese massive Auswanderung hat mit dem Wandel Vorarlbergs von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft ebenso zu tun wie mit der Attraktivität der Neuen Welt. Zudem spielte die Grenzlage zur Schweiz eine wesentliche Rolle.

Die Amerikaauswanderung aus den deutschsprachigen Gebieten beschreibt eine Kurve, die etwa um 1700 flach beginnt, bis etwa 1820 fast unverändert bleibt, dann bis 1854 kontinuierlich steigt und in diesem Jahr mit rund 215.000 Personen einen Höhepunkt erreicht. Die folgenden Jahre bringen einen starken Rückgang der Überseewanderung. Sie erreicht aber im Jahre 1882 mit 250.000 deutsch-sprachigen Immigranten einen letzten Höhepunkt. Insgesamt sind im 19. Jahrhundert etwa sechs Millionen Menschen mit deutscher Muttersprache nach Amerika ausgewandert. Die typischen Auswanderer im Zeitraum von 1820-1880 waren Kleinbauern, Handwerker usw. Dazu kamen natürlich schon zu dieser Zeit alle möglichen Außenseiter und Dissidenten. Die Masse der Emigranten stammte nicht aus dem aufstrebenden Bürgertum, sondern aus unteren Schichten der Sozialpyramide, also Gruppen, die von Armut gefährdet oder schon betroffen waren. Da ein Großteil der Auswanderer um die Mitte des 19. Jahrhunderts bäuerlicher und handwerklicher Herkunft war, tendierten die meisten von ihnen auch im neuen Land in die Landwirtschaft oder ins Handwerk. Dieser Absicht kamen die vorhandenen Möglichkeiten der Landnahme bis etwa 1880 entgegen. Entsprechend sind die Siedlungsschwerpunkte dort, wo in den vierziger und fünfziger Jahren den eingeborenen Amerikanern weitere Territorien weggenommen wurden, nämlich im Mittleren Westen und an den Rändern der alten Kolonialgebiete. Die städtischen Zentren deutschsprachiger Ansiedler bildeten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts New York, Philadelphia und Cincinnati, ab 1840 dann vor allem St. Louis, Chicago und Milwaukee.

Für viele Harder, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgewandert waren sowie nahezu alle Harder Folgewanderer der 1880er und 1890er Jahre, war die Gummiartikelfabrik von Dr. Benjamin Franklin Goodrich südlich von Cleveland Anlaufstelle. Sie alle siedelten in der sogenannten Goose Town (Gänsestadt), einem Stadtbezirk nicht unähnlich der Harder Landschaft um 1900.

Der Großteil der etwa 5.000 Vorarlberger aller drei Auswanderungswellen brachte es in Amerika nach hartem Beginn zu einem ordentlichen Auskommen, das heißt zu einem höheren Lebensstandard, als sie ihn zur gleichen Zeit zu Hause gehabt hätten, und zu besseren Aufstiegs- und Bildungschancen für ihre Kinder. 

Etwa 10% aller Auswanderer fanden sich im neuen Land nicht zurecht, starben bald, verunglückten, blieben unglücklich passiv oder kehrten zurück. Ein kleiner Teil aber brachte es zu bedeutendem Wohlstand und ein noch kleinerer zu nationaler Bedeutung.

Literatur:
Meinrad Pichler, Auswanderer, Von Vorarlberg in die USA 1800-1938, Bregenz 1993, S. 11-17.