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15. Harder Literaturpreis vergeben

 

Die 15. Auflage des Harder Literaturpreises stand ganz im Zeichen von literarischen Prosatexten zum Thema „Rohrsysteme und Kommunikationswege“. Der Hauptpreis ging an die Wahlschweizerin Susanne Tägder, über Förderpreise dürfen sich Joachim Off aus Deutschland und Martin Peichl aus Österreich freuen.

Bis vor knapp 100 Jahren war die Rohrpost das wichtigste Kommunikationsmittel über weite Strecken. Unter den Metropolen verliefen ausgeklügelte Rohrsysteme, die für geschäftliche und private Sendungen genutzt wurden. „Komme ich nach Wien, schreibe ich Dir einen Rohrpostbrief“, schrieb etwa Franz Kafka 1920 an Milena Jesenská. Heutzutage begegnen wir Berichten über Rohrleitungen vor allem in Zusammenhang mit Gas- und Öllieferungen aus dem Osten. 

Egal ob Öl, Gas, Liebesbriefe, Geschäftskorrespondenz oder anderes: Rohre ermöglichen in jedem Fall Austausch und Kommunikation. Sie schaffen eine Verbindung über weite Strecken, verbinden aber auch, was nicht unbedingt miteinander in Verbindung gebracht werden will. Für den 15. Harder Literaturwettbewerb waren Autorinnen und Autoren eingeladen, literarische Prosatexte einzusenden, die versteckte Verbindungen auskundschaften, möglicherweise Liegengebliebenes aufstöbern, (außer)gewöhnliche Kommunikationswege zum Inhalt haben oder innovative Rohrsysteme in den Mittelpunkt stellen. 

Der Siegertext
In einem anonymen Verfahren ermittelte die sechsköpfige Jury die Siegertexte aus 141 höchst unterschiedlichen Einsendungen. Der Hauptpreis geht an Susanne Tägder, die mit ihrer Familie nahe Zürich lebt. 1968 in Heidelberg geboren, arbeitete sie nach ihrem Studium in Deutschland und den USA als Anwältin und Richterin. Sie veröffentlicht Kurzgeschichten und Essays und erhielt heuer für einen Auszug aus ihrem ersten Roman einen Werkbeitrag Literatur des Kantons Zürich. 

Ihr Text „Postkarten“ besticht durch eine spritzige und knappe, aber sehr ausdrucksstarke Sprache, und setzt das nicht unbedingt einfache Thema gleich auf mehreren Ebenen gekonnt um. Während das verstopfte Abflussrohr nur eine Nebenrolle spielt, werden die Leserinnen und Lesern von ungewöhnlichen Kommunikationswegen – nicht nur, aber vor allem zwischen der knapp 40-jährigen Mutter und ihrer Teenager-Tochter –, starken Bildern und spielerischen Wendungen überrascht. 

Die weiteren Preisträger
Die beiden Förderpreise werden Martin Peichl aus Wien und Joachim Off aus Gerlingen bei Stuttgart zuerkannt. Als nach der Entscheidung die Anonymität aufgelöst und die Namen der Autorinnen und Autoren vorgelesen wurden, staunte die Jury: Nach 2020 hatten sie erneut einen Text von Joachim Off für einen Förderpreis ausgewählt. Sein Text „Ron bleibt im Regal“ ruft beim Lesen zunächst eine leichte Verwirrung hervor und spiegelt dadurch den Zustand des Protagonisten wider, berührt aber nach Auflösung des Rätsels und vermittelt Authentizität, ohne zu belehren oder erklären. Literarische Kunst ist es, die hier das Thema Demenz verhandelt.

Martin Peichl hat „Die friedlichste in der Natur vorkommende Umverteilung“ eingereicht und nimmt die Leserinnen und Leser mit zu Gedankenexperimenten des Ich-Erzählers, der sich plötzlich mit einer Füchsin konfrontiert sieht.

Preisverleihung am 9. Dezember in der Kulturwerkstatt Kammgarn
Die Preisverleihung findet am Freitag, 9. Dezember, um 19 Uhr in der Kulturwerkstatt Kammgarn statt. Die Hauptpreisträgerin und die beiden Förderpreisträger werden ihre Texte lesen, das Duo Brothers and Borders den Festakt musikalisch begleiten. Für das leibliche Wohl wird ebenfalls gesorgt, der Eintritt ist frei.

Wie üblich erscheinen die prämierten Texte gemeinsam mit weiteren herausragenden Einsendungen auch in einer Sonderausgabe der Literaturzeitschrift „miromente“. Sie ist bei der Preisverleihung oder auf Bestellung erhältlich (www.miromente.at).

Weitere Informationen zum Harder Literaturpreis unter https://literaturfestival.hard.at

Die Preisträger des 15. Harder Literaturwettbewerbs
Susanne Taegder
Martin Peichl
Joachim Off